Inhalte der Vorträge des Symposiums 2010.

 

 

1. Zur Ökonomie des Musik-File-Sharings – ein Literaturreview

 

Univ. Prof. Mag. Dr. Peter Tschmuck (Universität für Musik und darstellende Kunst Wien)

 

Seit den Aufsehen erregenden gerichtlichen Vorerhebungen gegen NAPSTER wurden zahlreiche wissenschaftliche Studien zu den wirtschaftlichen Auswirkungen des Musik-Filesharings erstellt. Eine Evaluierung der Studienergebnisse zeigt kein einheitliches Bild. Es gibt solche, die einen starken Substitutionseffekt von Filesharing auf die Musikumsätze konstatieren, aber auch solche, die keinen oder sogar einen positiven Zusammenhang feststellen. Der Beitrag versucht, die unterschiedlichen Ergebnisse ihrer Relevanz nach zu einzuordnen und zu bewerten.

 

 

 2. Piraterie aus Sicht der Informations- und Telekommunikationsindustrie

 

Dr. Mario Rehse (BITKOM, Bereichsleiter Gewerbl. Rechtsschutz)

 

Internetpiraterie belastet neben klassischen Medienunternehmen auch Anbieter von digitalem Content. Gleichzeitig sind attraktive legale Geschäftsmodelle auch Mittel zur Bekämpfung von Urheberrechtsverletzungen, indem sie Alternativen bieten. Die Unternehmen der Informations- und Telekommunikationsbranche finden sich hier in verschiedenen Rollen wieder: etwa als Content-, Hosting- und Access-Anbieter. Dies beeinflusst naturgemäß die Diskussion um effektive und angemessene Bekämpfung von Piraterie.

 

 

3. Zu Dunkle Geschäfte - Das Darkweb. Berichte eines Insiders

 

 

Evrim Sen (Journalist und Buchautor)

 

Sie nennen sich "The Scene", werden von FBI und Interpol gejagt und ihr Durchschnittsalter ist 20. Sie sind heute die Quelle für Schwarzkopien jeglicher Art. The Scene bezeichnet sich allerdings nicht als eine kriminelle Organisation und folgt einer Hacker-Ideologie, die bereits in den 50er Jahren entstanden ist: "Alle Informationen müssen frei sein".

Evrim Sen zeigt Hintergründe und Zusammenhänge einer weltumspannenden geheimen Organisation auf, die die Informationsgesellschaft grundlegend verändert hat.

 

 

4. Piraterie in der Musikbranche

 

Stephan Grulert (EMI Music, Vice President Business & Legal Affairs)

 


„Internetpiraterie verursacht bei Songschreibern, Künstlern, der Musikindustrie und dem Steuerzahler einen jährlichen Schaden in dreistelliger Millionenhöhe. Allein in Deutschland wurden im Jahr 2007 mit 312 Millionen Songs, 10mal mehr Lieder, illegal aus dem Internet heruntergeladen als legal über Downloadshops verkauft. Unter Internetpiraterie  versteht man das Anbieten und Herunterladen von Musikaufnahmen über das Internet ohne Einwilligung der Rechteinhaber.  

Neben den Tauschbörsen (z.B. eDonkey, eMule, BearShare, BitTorrent) gibt es mittlerweile eine Vielzahl von verschiedenen Formen der Internetpiraterie. So werden z.B. in Foren und Blogs Musikdateien „gepostet“ und mehr oder weniger professionell strukturierte „Release-Groups“ versorgen sich mit – oft noch nicht veröffentlichten – Songs und Alben. Eine stark zunehmende Form der Internetpiraterie läuft über so genannte Sharehoster wie z.B. rapidshare.de. Hier werden zunächst Musikdateien auf eine virtuelle Festplatte im Netz abgelegt und anschließend wird das dazugehörige Download-Link über Blogs und Foren verbreitet. 

Seit Anfang 2004 geht die Musikindustrie rechtlich gegen Internetpiraterie  vor. Sowohl gegen Privatnutzer, die illegal Musik in Tauschbörsen anbieten, wie auch gegen die Betreiber von Tauschbörsen (Server/Hosts). Das Konzept der Aufklärung, Abschreckung, Abmahnung zeigt Erfolge: So ist die Zahl illegaler Downloads von über 600 Millionen im Jahr 2003 auf 312 Millionen im Jahr 2007 zurückgegangen. Über Schulen und Medien leistet die Musikindustrie Aufklärungsarbeit zum Schutz geistigen Eigentums. In einem nächsten Schritt sollen die Internet-Service-Provider über das Filtern und Blockieren illegaler Inhalte stärker in die Verantwortung genommen werden.“

 

 

 

 

6. Piraterie in der Spielebranche

 

 

Dr. Andreas Dustmann (BIU)

 

„Wie in der Musik- und Filmindustrie machen illegale Downloads auch der Games-Branche zu schaffen, der Verlust dürfte einen dreistelligen Millionenbetrag im Jahr ausmachen. Um das Problem in den Griff zu bekommen, setzt die Branche neben politischer Arbeit und Aufklärung vor allem auf technische Systeme, mit denen der illegale Erwerb verhindert werden soll. Wie gut Maßnahmen wie die ständige Online-Verbindung beim Spielen funktionieren und wie Lösungen der Zukunft aussehen können, erläutert Olaf Wolters, Geschäftsführer des Bundesverbands Interaktive Unterhaltungssoftware e.V. (BIU).“

 

 

 

7. Piraterie und Urheberrecht

 

 

Phillipp Otto (iRights.info, Redaktion)

 

Wir haben kein Piraterie-Problem

 

Das Problem ist nicht die Piraterie, das Problem sind Gesetze und Geschäftsmodelle aus einer analogen Zeit die 1:1 auf die digitale Welt übertragen werden und scheitern. Piraterie ist lediglich eine Folge davon. Piraterie ist dabei das Schlüsselwort für einen gesellschaftlichen Wandel und für veränderte Konsumgewohnheiten. Gleichzeitig dient das Schlagwort Piraterie für Gesetzesverschärfungen und Desinformationskampagnen der Unterhaltungsindustrie. Ein Weg der viel Staub aufwirbelt, aber nicht erfolgreich sein kann.