Wissensbewertung

Für eine lernende Organisation ist es von eminenter Bedeutung, die Veränderungen ihrer Wissensbasis zu dokumentieren und zu bewerten. Das "Intellectual Capital", oder auch Wissensbilanz genannt, wird entweder nach monetären Wertmodellen oder ausgehend von den Wissenszielen, anhand von Struktur- oder Prozessmodellen bewertet. (1)

Nach Probst:

"...Es existiert weltweit wohl nur eine Handvoll von Unternehmen, welche sich bemühen ihr Wissen systematisch zu messen und zu bilanzieren. Diese Pioniere sind überzeugt, daß schon in naher Zukunft die Wissensbilanzen für Aktionäre interessanter sein können als die Informationen traditioneller Jahresberichte.

Nur wenn sich Unternehmen um aussagekräftige Indikatoren und Bewertungsmaßstäbe zur Messung ihrer organisatorischen Wissensbasis bemühen, können Sie Wissensmanagement auch effektiv betreiben. Milliarden für die Ausbildung, Pfennige für die Evaluation: Dieses Mißverhältnis gilt es zu beseitigen, denn was nutzen gute Maßnahmen, wenn sie nicht wahrgenommen, nicht geschätzt werden. Nur was meßbar oder bewußt gemacht werden kann, kann man auch managen." (2)

"Die Frage, wie operationalisiertes Wissen zu bewerten oder, genauer, zu messen ist, ist ein zentraler Punkt, denn nicht alles am Wissen läßt sich messen oder gar bewußt machen, so daß hier auch mit qualitativen Kriterien gearbeitet werden muß. Dass das implizite, also nicht-bewußte Wissen eine große Rolle im Kreativitätsprozeß eines Unternehmens spielt, haben I. Nonaka und H. Takeuchi im oben erwähnten Buch gezeigt. Probst et al. scheinen hier einer Meinung zu vertreten, die leicht in die gegenteilige Einseitigkeit geraten kann, als die Sorglosigkeit, die sie kritisieren.

Wissensindikatoren sollten also sowohl quantitative als auch qualitative Aussagen enthalten und sie sollten mit derselben Vorsicht interpretiert werden, wie die Interpretation des Wissens, das sie bewerten sollen. Nicht nur das Wissen, sondern auch die Wissensindikatoren sind, mit anderen Worten, vorläufiger Natur und sagen nur unter bestimmten revisionsfähigen Bedingungen etwas aus. Es  ist nicht ausgeschlossen, daß sich diese Bedingungen ändern und auch nicht, daß andere u.U. entscheidende Bedingungen übersehen wurden oder werden können. Nicht nur kritisches Denken und Handeln, sondern allem voran Selbskritik ist die Basis der Wissensbasis eines Unternehmens.

Schließlich sollte ein kreatives Unternehmen nicht vergessen, daß gerade die nicht meßbaren Dimensionen des Wissens diejenigen sind, aus dem es ein unendliches Reservoir an Kreativität schöpft. Das Management muß hier über seinen eigenen Schatten springen, will es nicht nur managen, sondern auch den Zielen dienen, wozu ein Unternehmen auch da ist. Eine Blindheit in dieser Hinsicht schadet letztlich nicht nur dem Unternehmen, sondern auch der Gesellschaft und der Umwelt, wo das Unternehmen seine (Wissens-) Ziele setzt und verfolgt."(3)

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Quellen:

  1. Wissensmanagement-Bausteine, Baumgartner und Partner[Stand 2009-06-12]
  2. Capurro, R.: Bausteine des Wissensmanagements, Wissensbewertung; zitiert nach Probst et al. 1998, S. 314[Stand 2007-12-06]
  3. Capurro, R.: Bausteine des Wissensmanagements, Wissensbewertung[Stand 2007-12-06]