Akteure, Interessen, Konflikte, Diskurse

Wissen und Information sind zum universalen Erfolgsfaktor geworden, denn der informierte und nutzende Zugriff auf Wissen und Information in allen Lebenssituationen wird immer wichtiger. In modernen Informations- und Wissensgesellschaften zieht das Konflikte nach sich, in denen um Wissen und Information konkurriert wird. (1)

Zur Findung eines Interessenausgleichs werden bei solchen Konflikten, die auseinanderliegenden Interessen beschreiben, informationsethische Diskurse geführt.

Thematisiert wird in diesen Diskursen z.B.

  • der Zugriff zu den Ressourcen der Information,
  • Mitbestimmung bei den Inhalten,
  • kulturelle Vielfalt bei der Entwicklung von lokalen und regionalen Informationsgesellschaften,
  • persönliche, nicht mehr an die professionellen Medien delegierte Teilhabe an Kommunikationsprozessen

– und dies alles zunehmend im globalen Maßstab. (2)

Es sollen dabei die Akteure und Interessenten an solchen Diskursen teilnehmen, die an der Wissens-/Informations-Produktion,  -Aufbereitung, -Verteilung, -Nutzung und -Steuerung beteiligt sind. (3)

Über diese Diskurse können sich dann im Interessenausgleich neue Normen und Prinzipien im Umgang mit Wissen und Information entwickeln. (4)

*Anmerkung zur folgenden Zusammenstellung (5): Die Einteilung sei nur eine Anregung, kein abschließender Beitrag

Quellen:

  1. Kuhlen, Rainer: Informationsethik – die Entwicklung von Normen für den Umgang mit Wissen und Information in elektronischen Räumen. In: P. Hauke (Hrsg.): Bibliothekswissenschaft – quo vadis? Eine Disziplin zwischen Traditionen und Visionen. Programme – Modelle – Forschungsaufgaben. Verlag K.G. Saur, München 2005, 159-172, S. 9 (14.04.2010)
  2. Kuhlen, R. : Informationsethik. In: Kuhlen, R./ Seeger, T. / Strauch, D. (Hrsg.): Grundlagen der praktischen Information und Dokumentation. Band 1: Handbuch zur Einführung in die Informationswissenschaft und -praxis; 5. Auflage, K.G. Saur, München 2004, 61-71, S. 3 (14.04.2010)
  3. Kuhlen, R. / Seeger, T. / Strauch, D. (Hrsg.), 2004, S. 5
  4. Hauke, P. (Hrsg.), 2005, S. 8
  5. Kuhlen, Rainer: Informationsethik. Umgang mit Wissen und Information in elektronischen Räumen. UVK, Konstanz 2004, S. 61-66 (14.04.2

Urheber und Künstler

Interessen:

  • materielle Sicherheit und/ oder,
  • Ruhm, Anerkennung, Popularität erlangen (…) für beide ist das geistige Eigentum und dessen Verwertung bzw. Nutzung zu regeln und zu schützen
  • Verwertungs- und Rechteverzicht (auch auf den Status als Urheber?) zugunsten der freien Verwertung und Verbreitung ihrer Wissensprodukte

Wissenschaft/ Technik

Interessen:

  • Informationsverbreitung (der eigenen Forschungsergebnisse)
  • Anerkennung (eher reputativ als materiell/finanziell)
  • Vernetzung der Forschung (synergetische Effekte)
  • Selbsterhaltungsinteresse (ohne Wissen keine Wissenschaft)

Ausbildung

Interessen:

  • kostengünstige (eher sogar kostenfreie) Informationsbeschaffung und -nutzung
  • Formen selbstbestimmten und kollaborativen Lernens
  • Einsatz virtueller Lerntechniken
  • laufendes Feedback der erbrachten Leistungen

Freie-und-Offene-Software-Bewegung

Interessen:

  • Informationsprodukte (Software) sind Basisbedürfnis einer Informationsgesellschaft und müssen daher jedem frei zugänglich sein, sowie als Produkt selbst ‚frei‘ bleiben
  • Software und Quelltext müssen immer frei bleiben
  • Referenzierung der Autoren muss gewährleistet sein
  • Modifikation, Weitergabe ist erlaubt und explizit gewünscht, um Verbesserungen zu erzielen (evolutionärer Gedanke)

Staat

Interessen:

  • Grundlage für den Umgang mit Information sind die Gesetze
  • Rechtssicherheit, auch für den Handel mit Wissen und Information
  • der Staat möchte seine Bürger bilden (kostenlos für diese), damit das Land international konkurrenzfähig bleibt
  • der Staat möchte den Schutz des geistigen Eigentums sichern (national wie international), um Anreize für die Schaffung neuen Wissens zu schaffen

Kommerzielle Hersteller, Verlage, Content Provider

Interessen:

  • Information hiding (kommerzielle Unternehmen) zur Sicherung von Informationsvorsprüngen
  • Rechtssicherheit für kommerzielle Verwertung
  • Absatzsteigerung durch generiertes Wissen
  • Produktentwicklung aus den verfügbaren Informationen und selbst generiertem Wissen

Nutzer, Verbraucher

Interessen:

  • freier, schneller und wenn möglich kostenloser oder möglichst kostengünstiger Zugang zu Informationen
  • freier „Handel“ und freier Tausch innerhalb der virtuellen Räume
  • Recht auf freie Information, d.h. ohne Zensur
  • Treffen anderer Nutzer, Tausch von Privatbesitz und Informationen (Community-Dienste)

Telekommunikation, Service/Access Provider

Interessen:

  • TK übernehmen den Transport von Informationen und stellen diesen in Rechnung
  • Entwicklung und Verbreitung von Technologien, die auf Basis der Nutzung der TK-Dienste funktionieren

IKT-Industrie

Interessen:

  • keine Pauschalabgaben auf Geräte und Software-Nutzung
  • Kommerzielle Verwertung der Produkte
  • Funktionierender Technologie-Transfer mit der Wissenschaft
  • Gut ausgebildete Arbeitskräfte

Bibliotheken, Vermittler

Interessen:

  • Bibliotheken (und sonstige Informations Professionals) möchten ihren Nutzern soviel Informationen wie möglich zur Verfügung stellen
  • Sicherung der Qualität der Informationsangebote, auch bezüglich der Metadaten
  • Funktionierender Informationsmarkt zur Sicherung eines leistungsstarken Informations-/Publikationsangebots
  • Kostengünstiger (freier) Zugang zu den Ressourcen von Wissen und Information