Fixkostendominanz

kurswert

Die Entwicklung des ersten Exemplars eines Informationsguts kann eine recht kostspielige Angelegenheit sein. Die Reproduktion hingegen ist um ein Vielfaches günstiger. Die Entwicklung eines Informationsgutes, wie z.B. eines Betriebssystems für Personal Computer, kann leicht mehrere Millionen Euro betragen. Die Vervielfältigung auf einer CD kostet hingegen nur noch sehr wenig. „Je geringer die variablen Kosten, desto stärker nähert sich der Verlauf der gesamten Durchschnittskosten dem der durchschnittlichen Fixkosten an. Sind die variablen Kosten Null, sind beide Kostenverläufe deckungsgleich.“ (1)

Diese Kostenstrukturen (hohe fixe Kosten und niedrige variable Kosten), würden bei Märkten mit vollständiger Konkurrenz, zu großen Problemen führen. (2) Wegen des starken Wettbewerbsdrucks – so die Lehrmeinung -, müssten bei Märkten mit vollständiger Konkurrenz die Güter zu ihren Grenzkosten, also nahe Null angeboten werden. (3)

Damit stellt sich die Frage, weshalb jemand Hunderttausende oder sogar Millionen von Euro für die Entwicklung eines Informationsgutes ausgeben sollte, wenn die Gewinnaussichten gleich Null sind? Die Antwort ist denkbar einfach: Informationsgüter werden in den seltensten Fällen auf Märkten mit vollständiger Konkurrenz angeboten, dafür sind sie zu verschieden. Jeder Musiktitel und jeder Spielfilm ist einzigartig und das ermöglicht den Anbietern, der Informationsgüter, einigen Spielraum in der Preisgestaltung. (2)

Die Marktform, in der sich die meisten Informationsanbieter wiederfinden, ist die monopolistische Konkurrenz. (2) Wegen der von den Kunden wahrgenommenen Produktdifferenzierung verfügen die Anbieter über eine gewisse Marktmacht. Wenn jedoch keine Markteintrittsbarrieren vorliegen und immer mehr Anbieter ähnliche Produkte anbieten können, schwinden auch hier im Laufe der Zeit die Gewinnmargen. (4)

Trotzdem verhilft den Informationsanbietern diese Marktmacht für einen gewissen Zeitraum dazu, monopolistische Preise zu verlangen und so die hohen Fixkosten wieder einzufahren. Eine ganz entscheidende Möglichkeit dies zu erreichen stellt die Preisdifferenzierung dar. (5) Kunden zahlen unterschiedliche Preise, je nachdem welchen Wert Sie dem Gut beimessen oder welcher Zielgruppe sie angehören.

Quellen:

  1. Linde, F.: Ökonomie der Information. Universitätsverlag Göttingen: Göttingen 2005, S. 24ff. [Stand 2007-11-29]
  2. Varian, H, R.: Markets for information goods. Working Paper HC79.I55V367, Institute for Monetary and Economic Studies, Bank of Japan, Tokyo, Japan, 1999, S. 5-6. [Stand 2007-11-29]
  3. Mankiw, N,G.: Grundzüge der Volkswirtschaftslehre. 3 Ausgabe. Schäffer-Poeschel Verlag: Stuttgart 2004, S. 316ff
  4. Mankiw, N,G.: Grundzüge der Volkswirtschaftslehre. 3 Ausgabe. Schäffer-Poeschel Verlag: Stuttgart 2004, S. 395ff
  5. Linde, F.: Preisgestaltung bei Informationsgütern. Internetpublikation, Institut für Informationswissenschaft, FH Köln, Dezember 2007. [Stand 2008-05-21]