Information als Netzwerkgut

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Eines der Charakteristika der Informationsökonomie, ist die Existenz von realen und virtuellen Netzwerken. „Ein Netzwerk ist eine Zusammenfassung von Nutzern eines bestimmten Gutes oder kompatiblen Technologien.“ (1)

In realen Netzwerken sind die Benutzer direkt, also physisch, miteinander verbunden. Beispiele für reale Netzwerke sind Mobilfunknetze, dass Internet oder Faxgeräte. In virtuellen Netzwerken hingegen besteht keine physische, sondern eine logische Verbindung zwischen den verschiedenen Nutzern eines Produktes. Z.B. das Netzwerk aller Windowsnutzer oder aller Nutzer von (kompatiblen) DVD-Geräten. (1)

Es wird schnell deutlich, dass sich Netzwerkgüter sehr stark von normalen Ge- oder Verbrauchsgütern unterscheiden. Der Nutzen gewönlicher Verbrauchsgüter, wie z.B. Lebensmitteln oder Hygieneartikeln, oder auch Gebrauchsgüter, wie z.B. Kleiderschränken oder Blumenvasen, liegt im Wesentlichen in ihren Eigenschaften selbst (Basisnutzen).  Netzwerkgüter dagegen weisen häufig nur einen geringen Basisnutzen auf, stiften darüber hinaus aber einen Netzeffektnutzen, der von der Gesamtzahl der Mitnutzer abhängig ist. (2) Das bedeutet, dass je mehr Nutzer es für ein Netzwerkgut gibt, desto größer dieser Nutzen für den einzelnen Netzwerkteilnehmer ist. Bei realen Netzwerken, wie z.B. dem Telefon ist der Nutzen offensichtlich, wenn man nicht nur mit 2 Teilnehmern sondern mit 1 Million Teilnehmern kommunizieren kann. Aber auch bei virtuellen Netzwerken werden die Vorteile deutlich, wenn man sich klar macht, dass man z.B. als MS Word Nutzer mit Millionen von anderen Nutzern problemlos Daten austauschen kann. „Bei Netzwerkgütern ist der Nutzen aus der Verbreitung  dominant gegenüber dem Nutzen aus den Eigenschaften des Gutes selbst“. (2)

Arten von Netzwerkeffekten

Art des Effektesund des Netzwerkgutes Direkte Netzwerkeffekte (immer Externalitäten) Indirekte Netzwerkeffekte(nicht immer Externalitäten)
Positive Negative Nur positive
Reales Netzwerkgut(z.B. Telefon, Internet)  Kommunikationsvorteile(z.B. Anzahl der mögliche Verbindungen)  Kommunikationsnachteile(z.B. Überlastung des Netzes) Angebot an Komplementärproduktenund -leistungen
Virtuelles Netzwerkgut(z.B. Windows, Word, DVD-Player) Vorteile bei der Kooperation und Austausch(z.B. Standards die den Datenaustausch erleichtern) Nachteile bei der Kooperation und Austausch(z.B. Sicherheitsrisiken wie Viren und Trojaner) Angebot an Komplementärproduktenund -leistungen
angelehnt an. Linde, F.: Ökonomie der Information. Universitätsverlag Göttingen: Göttingen 2005, S 51

Direkte und indirekte Netzwerkeffekte

Bei Netzwerkgütern treten direkte und indirekte Netzwerkeffekte auf.

Direkte Netzwerkeffekte

Mit steigenden Nutzerzahlen steigt auch der Nutzen der Netzwerkmitglieder. Man kann aber auch negative Netzwerkeffekte beobachten, dann z.B. wenn die Mobilfunknetze überlastet sind, weil an Silvester alle Punkt zwölf telefonieren wollen. Direkte Netzwerkeffekte stellen auch Externalitäten dar.  Positive Externalitäten wirken sich vorteilhaft auf die Wohlfahrt der vorhandenen Netzteilnehmer, ohne dass diese dafür einen Ausgleich leisten müssen. Negative Externalitäten hingegen wirken sich nachteilig auf die Wohlfahrt der Netzteilnehmer aus, ohne dass diese einen Ausgleich bekommen. Direkte Netzwerkeffekte können sowohl in der Produktion als auch im Konsum vorkommen und positiver bzw. negativer Natur sein. (3)

Indirekte Netzwerkeffekte

Mit steigenden Nutzerzahlen wächst auch der Markt für Komplementärgüter.  Güter deren Verwendung sich zwangsläufig bedingen, werden ökonomisch als Komplementärgüter bezeichnet, wie z.B. Benzin und Autos. Durch ihr wechselseitiges Verhältnis ergänzen und beeinflussen sich beide im Absatz gegenseitig. Das besondere bei Informationsgütern ist nicht nur der Nutzen aus dem verbundenen Gebrauch der beiden Gütern, sondern vor allem aus der Angebotsvielfalt an Komplementärgütern zu einem bestimmten Informationsgut. So hat z.B. Windows eine Vielfalt von Komplementärgütern, die nicht von Microsoft produziert wurden. (4)

Quellen:

  1. Dietl, H und Royer, S.: Management virtueller Netzwerkeffekte in der Informationsökonomie. zfo, 69, 6 (2000), S. 324
  2. Linde, F.: Ökonomie der Information. Universitätsverlag Göttingen: Göttingen 2005, S. 43-44. [Stand 2007-11-29]
  3. Linde, F.: Ökonomie der Information. Universitätsverlag Göttingen: Göttingen 2005, S. 45-48. [Stand 2007-11-29]
  4. Linde, F.: Ökonomie der Information. Universitätsverlag Göttingen: Göttingen 2005, S. 48-52. [Stand 2007-11-29]