Informationsasymmetrien

Von Informationsasymmetrie spricht man dann, wenn die Marktteilnehmer bei Vertragsabschluss über unterschiedliche Informationen verfügen: „Wenn eine Marktseite besser informiert ist als die andere, eröffnet das Raum, dieses Gefälle strategisch auszunutzen, in dem z.B. minderwertige Qualität angeboten wird. Dieses Phänomen der asymmetrischen Informationsverteilung bezieht sich vorrangig auf die gehandelte Qualität.“ (1)

Das Problem der asymmetrischen Informationsverteilung wird in der Prinzipal-Agent-Theorie von Michael Jensen und William Meckling aus dem Jahr 1976 thematisiert. In dieser Theorie werden die Beziehungen zwischen einem Auftraggeber (Prinzipal) und einem Auftragnehmer (Agent) untersucht. Charakteristisch ist, dass der Prinzipal schlechter informiert ist als der Agent. (2)

Es lassen sich zwei zentrale Typen von Informationsasymmetrien unterscheiden:

  • Hidden Characteristics und
  • Hidden action

Bei den Hidden Characteristics (verborgene Eigenschaften) werden dem Prinzipal durch den Agenten vor Vertragsabschluss bestimmte Eigenschaften des Produktes  vorenthalten, so dass er dessen Qualität nicht oder nicht vollständig beurteilen kann. Dies eröffnet dem Agenten die Möglichkeit, diese ungleiche Informationsverteilung zu seinen Gunsten auszunutzen und dem Prinzipal das angebotene Gut zu einem deutlich höheren Preis, als es eigentlich Wert ist, zu verkaufen. Wenn der Prinzipal systematisch unerwünschte Kaufentscheidungen trifft, kommt es zu einer Adverse Selection (Negative Auslese). Klassisches Beispiel sind hier die Analysen des Gebrauchtwagenmarktes von Akerlof, bei denen es ohne Qualitätsinformationen zu einem Marktversagen kommt: es werden nur noch qualitativ minderwertige Fahrzeuge gehandelt. (3)

Bei der Hidden Action (verborgene Handlung) treten Informationsasymmetrien erst nach Vertragsabschluss auf. Hidden Action bedeutet, dass der Agent die Möglichkeit hat, nach Vetragsabschluss die Qualität des Gutes zu reduzieren und der Prinzipal nicht die Möglichkeit hat die von ihm unerwünschten Handlungen des Prinzipals aufzudecken. Dem Agenten bleiben also Spielräume, das mangelnde Wissen des Prinzipals systematisch zu seinen Gunsten auszunutzen. Dieses Phänomen wird auch als Moral Hazard (moralisches Risiko) bezeichnet. (3)

Beseitigung von Informationsasymmetrien

Was können Anbieter von Informationsgütern unternehmen um potenzielle Kunden von der Qualität ihrer Produkte zu überzeugen (Signaling)? Was können Kunden ihrerseits unternehmen, um Informationsasymmetrien abzubauen (Screening)?

Demo- und Vorabversionen sind eine gute Möglichkeit des Signaling, um Kunden auf ein Produkt aufmerksam zu machen und sie von dessen Qualität zu überzeugen. Kinoproduzenten bieten Trailer an, die im Fernsehen und in Kinos vorgeführt werden. Die Musikindustrie oder auch Bands, bieten einzelne Lieder oder Fragmente ihrer Songs im Internet zum Download an. Softwarefirmen bieten Versionen ihrer Software, entweder im begrenzten Umfang oder zeitlich abgegrenzt zum Kennenlernen an. Peer Reviewing ist schon seit langem der Standard für wissenschaftliche Publikationen, um die angebotene Information mit einem Qualitätssiegel zu versehen. Zuletzt spielt die Reputation des Anbieters eine große Rolle. Ein Kunde ist eher gewillt ein Produkt zu kaufen oder eine Dienstleistung in Anspruch zu nehmen, wenn er in der Vergangenheit positive Erfahrungen mit dem Anbieter gemacht hat.

Eine andere Methode Informationsasymmetrien abzubauen ist das kundenseitige Screenig. Dazu kann man bspw. Produkttests, Literaturkritiken oder auch Bewertungsportale im Internet heranziehen. (4)

Quellen:

  1. Linde, F.: Ökonomie der Information. Universitätsverlag Göttingen: Göttingen 2005, S. 25. [Stand 2007-11-29]
  2. Jensen,M, C und Meckling, W,H.: Theory of the Firm: Managerial Behavior, Agency Costs and Ownership Structure. Michael C. Jensen, A Theory Of The Firm: Governance, Residual Claims and  Organizational Forms, Harvard University Press, Dec. 2000, and The Journal Of Financial Economics, 1976, S. 4-7  [Stand 2007-11-29]
  3. Linde, F.: Ökonomie der Information. Universitätsverlag Göttingen: Göttingen 2005, S. 39ff. [Stand 2007-11-29]
  4. Varian, H, R.: Markets for information goods. Working Paper HC79.I55V367, Institute for Monetary and Economic Studies, Bank of Japan, Tokyo, Japan, 1999, S. 4-5. [Stand 2007-11-29]